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Die Zukunft von Rheuma: Gene, Lebenswandel, Umwelteinflüsse besser verstehen

News   •   Okt 12, 2017 07:00 CEST

DNA-Radiographie in einem Labor © Science Photo Library

Bessere Kenntnis der Entstehungsprozesse und -ursachen von rheumatoider Arthritis kann Forschern Therapiewege aufzeigen


Augen auf und durch

Alle Wege nehmen irgendwo ihren Anfang. Manchmal ist dieser Anfang steiniger, als man es sich wünscht.

Als der niederländische Forscher Dr. Ronald van Vollenhoven in den frühen 90er Jahren an der Stanford University (USA) anfing, platzte er förmlich vor Tatendrang. Er hatte die zurückliegenden Jahre in einem Labor an der Cornell University (USA) mit dem Studium des Immunsystems verbracht. Nun konnte er dank eines Stipendiums die in dieser Zeit gewonnenen Erkenntnisse in der Praxis anwenden und Menschen mit rheumatoider Arthritis behandeln. Bereits nach wenigen Wochen der Einarbeitung wurde van Vollenhoven jedoch klar, dass eine große Herausforderung vor ihm lag. Er war geschockt von den Wartezimmern voller Menschen, die von starken Schmerzen und schweren Knorpelschäden gezeichnet und häufig auf Krücken oder Rollstühle angewiesen waren. Zur damaligen Zeit wussten Ärzte und Forscher zwar bereits einiges über Rheuma – was jedoch fehlte, waren geeignete Mittel, den Betroffenen zu helfen.

Dies sollte sich ändern.

Die bessere Alternative: Biologika

Anfang der 2000er veränderte sich der Anblick in den Wartezimmern erheblich: Biologika – neuartige, komplexe Arzneimittel, die aus lebenden Zellen gewonnen werden – hielten Einzug in die Medizin. „Das hat unsere Arbeitsweise im Bereich der Rheumatologie und unseren Klinikalltag komplett verändert“, erinnert sich Ronald van Vollenhoven. „Eine unheimlich spannende Zeit! Wenn ich heute in Wartezimmern umschaue, frage ich mich manchmal, ob die Patienten bei mir überhaupt richtig sind: Viele sehen einfach gesund aus!“

Dank Biologika können Ärzte die Symptome bei Menschen mit rheumatoider Arthritis besser kontrollieren und sogar das Fortschreiten der Erkrankung eindämmen. Dieser Umbruch hatte zur Folge, dass sich nicht nur Ronald van Vollenhoven fragte: Was kommt als Nächstes? Was können wir noch machen, um Rheuma vollständig in den Griff zu bekommen?


„Wir geben uns erst dann zufrieden, wenn auch der letzte Patient seine rheumatoide Arthritis im Griff hat.“

Ronald van Vollenhoven, M.D., Professor für Rheumatologie, Universiteit van Amsterdam


 

Der Blick in die Zukunft

Viele Wissenschaftler sind davon überzeugt, dass der Schlüssel zur nächsten Revolution bei der Behandlung von rheumatoider Arthritis darin liegt, Patienten, Umwelteinflüsse und Erkrankung besser verstehen zu lernen. Heute wissen die Wissenschaftler zwar mehr über Rheuma als noch vor 30 Jahren, die Ursachen sind jedoch noch nicht vollständig geklärt. Ein besseres Verständnis genetischer Veranlagung könnte dazu beitragen, die Therapie der rheumatoiden Arthritis entscheidend voranzubringen.

„Wir alle weisen genetische Merkmale auf, die uns ausmachen“, erklärt Lisa Olson, Vice President, Immunology Research bei AbbVie. „Manche dieser Gene weisen Mutationen auf, was im Einzelfall die Wahrscheinlichkeit für eine bestimmte Erkrankung erhöhen kann. Im Gegensatz zu Krebserkrankungen, wo man einen Tumor sequenzieren und mit gesundem Gewebe vergleichen kann, ist es bei so komplexen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis mitunter deutlich schwieriger, die verantwortlichen Gene ausfindig zu machen.“ Die Rolle von Genmutationen zu verstehen, ist aber nur die halbe Miete: Umwelteinflüsse und der eigene Lebenswandel dürften ebenfalls zur Entwicklung von Rheuma beitragen.

Bestimmte Faktoren wie Übergewicht, Diabetes oder Tabakkonsum können eine Rolle bei der Entstehung und dem Fortschreiten der Erkrankung spielen. Viele Wissenschaftler halten es für möglich, dass derartige Umwelteinflüsse die Entwicklung einer rheumatoiden Arthritis bei Menschen auslösen, die aufgrund ihrer genetischen Veranlagung ohnehin ein erhöhtes Risiko aufweisen.

Während ein großer Teil der Wissenschaft darauf ausgerichtet ist, den Ursachen von Rheuma auf den Grund zu gehen, um daraus bessere Therapieansätze abzuleiten, suchen Ärzte und Forscher auch nach Wegen, die Erkrankung früher zu erkennen und zu behandeln. Entsprechend intensiv wird nach so genannten Biomarkern für rheumatoide Arthritis gesucht. In vielen anderen Bereichen der Medizin, u. a. in der Onkologie und der Neurologie, werden Biomarker bereits für die Diagnose und zur Unterstützung von Therapieentscheidungen eingesetzt. „Meine persönliche Vision ist, dass in Zukunft aus einer großen Bandbreite an Therapieoptionen jedem Patienten die passende Therapie verordnet werden kann“, so Lisa Olson.

Derzeit werden verschiedene Biomarker zur rheumatoiden Arthritis untersucht. Allerdings gibt es noch nicht genügend Daten, um bei der Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Therapie wirklich helfen zu können. Die passende Lösung für jeden Menschen mit Rheuma zu finden, ist und bleibt aber das übergeordnete Ziel, an dem Wissenschaftler arbeiten.

„Wir stehen ohne Frage erneut vor sehr spannenden Entwicklungen und machen jeden Tag Fortschritte“, erklärt van Vollenhoven. „Aber wir geben uns erst dann zufrieden, wenn auch der letzte Patient seine rheumatoide Arthritis im Griff hat.“