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Hepatitis C und Sucht: Im Gespräch mit Sozialarbeiter Jörg Fränznick

News   •   Jun 18, 2019 08:07 CEST

Die chronische Lebererkrankung Hepatitis C besiegen – dieses Ziel haben die Weltgesundheitsorganisation und die Bundesregierung für das Jahr 2030 gesetzt [1,2]. Eigentlich sind die Voraussetzungen dafür geschaffen, denn mit modernen Therapien ist Hepatitis C heute bei fast allen Patienten in kurzer Zeit heilbar. Pro Jahr werden in Deutschland etwa 4.000 bis 5.000 Infektionen mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) neu diagnostiziert. Der häufigste Übertragungsweg ist injizierender Drogengebrauch. Vier von fünf Neudiagnosen, bei denen der Grund für die Ansteckung bekannt ist, sind darauf zurückzuführen [3]. Im Rahmen der PLUS-Gesundheitsinitiative Hepatitis C arbeitet der Sozialarbeiter Jörg Fränznick mit Partnern wie AbbVie daran, die Versorgungssituation von Menschen mit (ehemaligem) Drogengebrauch zu verbessern. Im Interview schildert er, wie er sich engagiert und was ihn bewegt.

Worum geht es bei deinem Job?
Ich mache Straßen-Sozialarbeit. Das heißt ich suche die Menschen an den Plätzen auf, an denen sie sich aufhalten – sogenannte Szeneplätze. Meine Aufgabe ist „Überlebenshilfe“. Darunter fällt das Verteilen von Spritzen, Desinfektionsmaterial, Wasser und Kochsalzlösung, aber auch die Aufklärungsarbeit über Gefahren durch Drogenkonsum. Wir bieten den Konsumenten an, dass sie auf uns zukommen und uns ihre Probleme schildern können. Der Job ist sehr vielseitig: Man kann die Tätigkeiten nie begrenzen, sondern muss ein Komplettpaket bieten können.

Vor welchen Herausforderungen stehen Drogen-Konsumierende beim Thema Gesundheit?
Durch den Drogenkonsum machen sie ihren Körper kaputt. Das Problem ist, dass die Gesundheit bei ihnen meist an letzter Stelle steht, weil sie mit ganz vielen Problemen beschäftigt sind. Unter anderem mit der Drogensucht, Arbeitslosigkeit, Geldbeschaffung, Staatsanwaltschaft, Wohnungslosigkeit. Da ist die Gesundheit zweitrangig. Darüber hinaus machen viele die Erfahrung, dass sie ausgegrenzt und schlecht behandelt werden, manchmal auch von Ärzten und in Krankenhäusern.

Warum engagierst du dich bei der PLUS-Gesundheitsinitiative Hepatitis C?
Wir möchten immer das Bestmögliche für unsere Klienten erreichen. PLUS ist eine Möglichkeit, etwas für unsere Leute zu tun. In Ludwigshafen hat sich seither viel entwickelt und das war einfach die Motivation – eine bessere Unterstützung und neue Angebote für Betroffene zu schaffen.

Was hat sich seither in Ludwigshafen entwickelt?
Vorher hatten wir keine nachhaltige Initiative, sondern höchstens zeitlich befristete Projekte. Bei PLUS war klar, dass wir unsere Arbeit durch die Initiative langfristig verbessern können. Seitdem wurden viele Kooperationspartner mit an den Tisch geholt und es hat sich ein Netzwerk gebildet, aus dem eine gute Zusammenarbeit entstanden ist. Beispielsweise kooperieren wir mit dem Jobcenter, um Klienten unter Substitutionstherapie auf dem Weg zurück ins Arbeitsleben zu unterstützen.

Welche Rolle spielst du bei der PLUS-Gesundheitsinitiative Hepatitis C?
Ich bin der Vertreter meiner Klienten, arbeite eng mit ihnen zusammen und reflektiere ihre Interessen und Wünsche. Dazu gehört vor allem auch die Gleichberechtigung. Oftmals herrscht in der Gesellschaft noch sehr viel Unwissenheit und Menschen mit Suchterkrankungen werden ungleich behandelt. Ein Beispiel ist, dass erwartet wird, dass sie ihr Verhalten von heute auf morgen komplett umstellen, bevor sie eine Therapie erhalten. Dasselbe gilt für Menschen mit anderen Erkrankungen, z.B. Diabetes, aber nicht. In Ludwigshafen hat sich aber diesbezüglich durch PLUS schon etwas getan.

Hat sich der Zugang von Suchtkranken zur Gesundheitsversorgung gebessert?
Ja, die Wege sind kürzer. Es ist einfacher die Patienten zu vermitteln. Man kennt die Partner ja jetzt besser, da wir schon gemeinsam an einem Tisch gesessen und zusammengearbeitet haben. Das ist eine echte Verbesserung und Erleichterung.

Was wünschst du dir noch für PLUS?
Dass Menschen, die neben der Suchterkrankung auch eine psychische Erkrankung haben, umfassend behandelt werden. Das ist ein unglaublich wichtiger Aspekt. Daran arbeiten wir jetzt und ich freue mich sehr, wenn das Projekt Früchte trägt.

Über die PLUS-Gesundheitsinitiativen Hepatitis C
Ziel der Partner der PLUS-Initiativen ist die nachhaltige und strukturelle Verbesserung der regionalen Gesundheitsversorgung von Suchtbetroffenen durch eine umfassende Betrachtung der Lebensumstände. Beispielsweise bieten in Ludwigshafen die regionale Drogenhilfe, niedergelassene Ärzte und Kliniken sowie Krankenkassen, Patientenorganisationen und das Jobcenter gezielte Angebote zur Stabilisierung sowie Aufklärung an. Das Besondere daran ist der partizipative Ansatz: Die Suchtbetroffenen sind von Anfang an in die Ausgestaltung der regionalen Projekte einbezogen. 

Die Initiative wurde im Jahr 2015 vom Caritasverband für Stuttgart e.V., der Deutschen Leberhilfe e.V. und dem forschenden BioPharma-Unternehmen AbbVie gegründet.

PLUS gibt es bisher in Stuttgart, Ludwigshafen, Hamburg, Wiesbaden, Kassel und Bochum. Weitere Städte stehen in den Startlöchern. Weitere Informationen zu PLUS finden Sie hier:https://www.hcvversorgungplus.de/.