AbbVie Deutschland folgen

Was bedeutet ein tiefes Ansprechen bei der chronischen lymphatischen Leukämie?

News   •   Aug 20, 2018 14:00 CEST

Die Bewertung des Therapieerfolgs bei der Behandlung der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) erfährt derzeit einen Wandel. Als neues Ziel einer Therapie wird das Erreichen einer nicht mehr nachweisbaren Resterkrankung (MRD-Negativität) diskutiert.1,2


Wie wurde der Therapieerfolg in der CLL bisher bewertet?

Die wichtigsten Parameter, anhand derer derzeit der Therapieerfolg in der CLL beurteilt wird, sind die Verlängerung des Gesamtüberlebens (overall survival, OS) sowie der Zeitraum ohne ein Fortschreiten der Erkrankung (progression free survival, PFS). Für eine Aussage darüber, wie gut Patienten auf eine Therapie ansprechen, wird außerdem häufig die Remissionsrate unter Verwendung klinischer und hämatologischer Parameter wie Lymphknotengröße, Blutbild und Biopsieergebnisse herangezogen.3 Auch wenn anhand dieser Parameter keine Erkrankung mehr nachweisbar ist (complete remission, CR), können jedoch CLL-Zellen im peripheren Blut oder Knochenmark verbleiben und ein Wiederkehren der Erkrankung (Rezidiv) begünstigen. Dementsprechend kann ein Therapieerfolg auch dahingehend bewertet werden, inwiefern diese als minimale Resterkrankung (minimal residual disease, MRD) bezeichneten verbliebenen Zellen durch die Therapie bis unterhalb der Nachweisgrenze reduziert wurden.4

Wie wird MRD-Negativität definiert?

MRD-Negativität bedeutet nicht, dass garantiert keine krankhaften Zellen mehr im Körper vorhanden sind. Aber es sind so wenige, dass sie auch über hochsensitive Methoden nicht mehr nachgewiesen werden können. In der CLL spricht man daher von MRD-Negativität, wenn weniger als eine CLL-Zelle pro 10.000 weißen Blutkörperchen (Leukozyten) im peripheren Blut oder im Knochenmark nachweisbar ist.5 Dafür kommen äußerst genaue zellbiologische Methoden zum Einsatz: Standard ist hier mittlerweile die sogenannte 4-Farben-Durchflusszytometrie.6 Die MRD-Negativität ist somit ein Hinweis auf eine besonders tiefe Remission auf Zellebene.

Was sagt die MRD-Negativität über den Therapieerfolg aus?

„Aus klinischen Studien mit Chemoimmuntherapien wissen wir bereits, dass Patienten mit einer kompletten Remission, die darüber hinaus eine MRD-Negativität erreichen, die beste Prognose besitzen“, erklärt Dr. Henning Kleine, Medical Director bei AbbVie Deutschland. Für neue, zielgerichtete Therapien wird dieser Zusammenhang momentan ebenfalls genau überprüft. Erste Studienergebnisse legen auch hier nahe, dass eine CR und gleichzeitige MRD-Negativität eine hohe prognostische Aussagekraft bezüglich des PFS besitzt.7

Bessere Bewertung klinischer Studien möglich

Auf diese Erkenntnisse hat inzwischen auch die EMA (European Medicines Agency) reagiert und die MRD-Negativität in Kombination mit einer CR als Surrogatendpunkt anerkannt.4 Damit kann er in klinischen Studien herangezogen werden, um den Therapieerfolg zu bewerten. „Dies könnte sich insbesondere für die Verfügbarkeit von neuen, zielgerichteten Therapien als wichtig erweisen. Mit ihnen sehen wir zum Teil ein tiefes Ansprechen mit hohen MRD-Negativitäts-Werten, die darauf schließen lassen, dass sie das Überleben der Patienten im Vergleich zu anderen Therapien verlängern könnten“, so Kleine weiter. „Ein langfristiger Therapieerfolg ließe sich dann über die MRD früher einschätzen, so dass lebensverlängernde Therapien den Patienten schneller zugänglich gemacht werden könnten.“

Referenzen

1Thompson PA et al. (2016) Eliminating minimal residual disease as a therapeutic end point. Working toward cure for patients with CLL. Blood 127(3):279–286. doi:10.1182/blood-2015-08-634816

2Kwok M et al. (2016) Minimal residual disease is an independent predictor for 10-year survival in CLL. Blood 128(24):2770–2773. doi:10.1182/blood-2016-05-714162

3Rai KR und Stilgenbauer S UpToDate: Evaluating response to treatment of chronic lymphocytic leukemia. https://www.uptodate.com/contents/evaluating-response-to-treatment-of-chronic-lymphocytic-leukemia#H3

4EMA - Guideline on the use of minimal residue disease as an endpoint in chronic lymphocytic leukaemia studies. Abrufbar unter:. http://www.ema.europa.eu/docs/en_GB/document_library/Scientific_guideline/2016/02/WC500201945.pdf Letzter Zugriff: 9. August 2018

5Hallek M et al. (2008) Guidelines for the diagnosis and treatment of chronic lymphocytic leukemia. A report from the International Workshop on Chronic Lymphocytic Leukemia updating the National Cancer Institute-Working Group 1996 guidelines. Blood 111(12):5446–5456. doi:10.1182/blood-2007-06-093906

6Uhrmacher S et al. (2010) Flow cytometry and polymerase chain reaction-based analyses of minimal residual disease in chronic lymphocytic leukemia. Adv Hematol 2010. doi:10.1155/2010/272517

7Wierda WG et al. (2017) Clinical Benefits of Achieving Deep Remission to Second‐line Therapy in Patients with relapse/refractory (r/r) Chronic Lymphocytic Leukemia (CLL) ‐ a Real‐World Study. American Society of Hematology 59th Annual Meeting and Exposition; December 9‐12, 2017; Atlanta, GA. #2130