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Welcher Wert ist lebenswert?

News   •   Okt 25, 2017 08:30 CEST

HEOR wägt den wahren Wert bedeutsamer persönlicher Erlebnisse ab.

Lässt sich der Wert einer Therapie anhand von besonderen Momenten im Leben bemessen? Wie die Lebensqualität von Patienten Eingang in mathematische Formeln findet. 

Mehr als die Summe seiner Teile

Als Brett Pinskys Großvater sich die Hüfte brach, lehnte sein Enkel eine Operation ab.

Das lag an seinem Job. Brett unterstützt als Wissenschaftler den Bereich „Health Economics and Outcomes Research“ (HEOR) bei AbbVie und berechnet in seiner Funktion den Nutzen medizinischer Entscheidungen für Patienten. Eine Nutzen-Risiken-Bewertung brachte ihn also zunächst zu dem Schluss, dass eine Hüft-OP womöglich nicht im Interesse seines Großvaters wäre.

„Mein Großvater hatte Alzheimer“, erinnert sich Brett. „Zum Zeitpunkt der Hüftfraktur betrug seine Lebenserwartung außerdem nur noch drei Monate und ich wollte ihm die Operation ersparen. Stattdessen hielt ich es für besser, ihm über eine medikamentöse Behandlung das Leben so angenehm wie möglich zu machen.“ Dann aber kam zu Bretts Überlegungen der Einfluss der Demenz seines Großvaters hinzu. Da er sich nicht an die gebrochene Hüfte erinnern konnte, versuchte sein Großvater immer wieder aufzustehen. Das verursachte ihm natürlich starke Schmerzen und auf einmal schien eine Operation doch die bessere Alternative zu sein. „Das macht den Unterschied zwischen den reinen Zahlen und Fakten und dem realen Leben der Patienten aus – und das schlägt sich in meinen beruflichen Nutzenberechnungen nieder.“

Brett stellt solche Berechnungen jeden Tag an, wenn auch meist nicht auf einer so persönlichen Ebene. Dennoch ist das Verständnis des täglichen Lebens von Patienten wie seinem Großvater einer von mehreren grundlegenden Aspekten, die berücksichtigt werden müssen, um den wahren Nutzen einer medizinischen Behandlung zu erfassen.


Welche Bedeutung hat es für einen Menschen, sich selbst versorgen oder waschen zu können? Wir müssen das quantifizieren können, und zwar in sinnvoller Weise und nicht allein in monetären Werten“

Joette Gdovin Bergeson, Ph. D., MPA, Vice President, HEOR Oncology and Immunology bei AbbVie.


Was nutzt der Nutzen?

Der Nutzen lässt sich in der Regel durch mathematische Formeln berechnen. Dennoch fällt es den meisten von uns schwer zu akzeptieren, dass unpersönliche mathematische Berechnungen im höchsten Maße persönliche Entscheidungen über Leben und Tod bestimmen sollen. Welchen Wert setzt man beispielsweise an, wenn es darum geht, noch ein paar Monate länger leben und seinen Enkel kennenlernen zu dürfen? Egal, ob es nun um solch bewegende Erlebnisse oder alltägliche Momente geht: HEOR muss den Wert dieser Erlebnisse genauestens abwägen.

Welche Bedeutung hat es für einen Menschen, sich selbst versorgen oder waschen zu können? Wir müssen das quantifizieren können, und zwar in sinnvoller Weise und nicht allein in monetären Werten“, betont auch Joette Gdovin Bergeson, Ph. D., MPA, Vice President, HEOR Oncology and Immunology bei AbbVie. „Was aber bedeutet eine Verbesserung von fünf Punkten auf der Skala tatsächlich für den Patienten? Wie können wir das in Zahlen erfassen und wie lassen wir das in unsere Nutzenbewertung einfließen?“

„Wenn ich Olympiateilnehmer bin und sich mein ganzes Leben nur ums Laufen dreht, werde ich starke Knieschmerzen entsprechend als stark einschränkend bewerten“, beschreibt Anthony Wang, Senior Manager, HEOR für den Bereich Gastroenterology bei AbbVie. „Spiele ich hingegen professionell Violine und kann meiner Leidenschaft sitzend nachgehen, sind starke Knieschmerzen zwar immer noch einschränkend, aber ich würde diese Einschränkung vermutlich nicht so hoch bewerten. Der Mensch ist individuell, genau wie seine subjektive Beurteilung.“

Kein gemeinsamer Nenner?

Arzneimittel wurden von jeher vor allem im Hinblick auf ihre Sicherheit und Wirksamkeit beurteilt. Nun, da die Lebensqualität von Patienten ein an Bedeutung zunehmender Aspekt im Rahmen der Kosten-Nutzen-Beurteilung ist, ist auch HEOR zu einem festen Bestandteil dieses Prozesses geworden. „Wir können uns die Ansprechraten auf ein Arzneimittel ansehen und dadurch wichtige klinische und wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnen“, erklärt Bergeson. „Was wir dadurch aber nicht erfahren ist, was das für den Patienten letztlich bedeutet. Fühlt sich der Patient dadurch besser und kann wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen? Kann er wieder arbeiten? Kann er die Schulaufführung seines Sohnes besuchen? Genau diese Aspekte versuchen wir über Patientenfragebögen zu quantifizieren.“

Zur Bestimmung der Lebensqualität von Patienten ist es nötig, die Ergebnisse dieser Patientenfragebögen – über die die Patienten die eigene Gesundheit und das Wohlbefinden selbst beurteilen – mit den zugehörigen klinischen Daten zu verbinden. Ein Beispiel: Geht bei einem Patienten eine Schwellung auf der Skala statistisch signifikant um drei Punkte zurück, mag dies durchaus als positives Ergebnis angesehen werden. „Wenn die Patientenfragebögen jedoch zeigen, dass sich für den Patienten an seinem Zustand im Wesentlichen nichts verändert hat, dann mögen die drei Punkte zwar statistisch signifikant, für den Patienten allerdings wenig relevant sein“, erklärt Brett.

Das große Ganze im Blick

HEOR versucht, das Beste für alle zu erreichen, und untersucht hierfür große Patientenpopulationen zur Beurteilung des Nutzens. „Wir arbeiten mit Daten aus klinischen Studien, aber auch mit Daten aus der Praxis, um den Nutzen eines Arzneimittels zu erfassen“, erklärt Anthony. „Das bedeutet aber auch, dass wir Klarheit im Hinblick auf die wichtigsten Aspekte für Patienten, Ärzte und Kostenträger schaffen müssen.“

Nehmen wir Bretts Großvater als Beispiel: Aus rein wirtschaftlicher Sicht wäre es für Brett schwierig geworden, einem Kostenträger glaubhaft darzustellen, dass eine Hüftoperation tatsächlich kosteneffizient wäre. Aber es war eben auch ersichtlich, dass neben der Kosteneffizienz weitere Faktoren das Gesamtbild prägten und den Nutzen eines Eingriffs bestimmten. Und genau diese Faktoren herauszuarbeiten, ist eine Stärke von HEOR. „Unser Ziel ist es letztendlich darzustellen, wie sich das Leben eines Patienten zum Besseren wendet“, so Wang. „Den Wert eines Arzneimittels versteht man schlussendlich nur vor dem Hintergrund der Krankheitsgeschichte des Patienten, also des individuellen Lebens.“