AbbVie Deutschland folgen

Wie forschen wir in der Zukunft?

News   •   Mai 07, 2018 17:30 CEST

Digitalisierung, New Work und Big Data – das sind drei Megatrends für die Zukunft unserer Gesellschaft. Wie unter diesen Gesichtspunkten eine optimale Versorgung der Bevölkerung mit innovativen Therapien aussehen kann, darüber diskutierten hochrangige Vertreter aus Politik, Gewerkschaft, Wirtschaft und Wissenschaft am 7. Mai bei AbbVie in Ludwigshafen. Das Motto: „#digitalizeResearch – Revolution für Forschung und Versorgung?“

„Die Digitalisierung bringt große Veränderungen für unsere Gesellschaft mit sich, besonders in den Bereichen Bildung und Arbeitswelt“, sagte Dr. Stefan Simianer, Geschäftsführer Forschung und Entwicklung von AbbVie Deutschland. Daher sei es wichtig, die Menschen frühzeitig abzuholen, ihnen Ängste zu nehmen und stattdessen Verständnis und Faszination für die Fortschritte zu schaffen.

Welche Möglichkeiten die Fülle an Daten schafft, die mit der Digitalisierung einhergehen, erklärte Dr. Lars Greiffenberg, Leiter für digitale Forschung und Literaturdatenbanken bei AbbVie. In seinem Vortrag ging er zunächst auf die Unterschiede zwischen Big Data in der Pharmaforschung und bei Internet-Giganten wie Google, Amazon und Co ein. Zwar verarbeite Amazon große Datenmengen, doch die seien vergleichbar mit dem, was eine einzige menschliche Zelle an Informationen beinhalten kann. Bei der Arzneimittelentwicklung sei jedoch der gesamte Organismus mit allen Facetten wichtig. Zudem benötigt die Forschung möglichst hochqualitative Daten, die in vergleichbarer Form vorliegen müssten. „Big Data beschreibt Zustände, kann sie aber nicht erklären.“

Podiumsteilnehmer beim "Standpunkt am Standort" bei AbbVie

Zu Gast auf dem Podium waren v.l.n.r.: Birgit Fischer (Hauptgeschäftsführerin vfa, dem Verband der forschenden Pharmaunternehmen, Philipp Huwe (Direktor Government Affairs, AbbVie Deutschland), Tabea Rößner (MdB, Bündnis 90 /Grüne), Dr. Lars Greiffenberg (Leiter für digitale Forschung und Literaturdatenbanken, AbbVie Deutschland), Andreas Steier (MdB, CDU), Sabine Bätzing-Lichtenthäler (Gesundheitsministerin des Landes Rheinland-Pfalz, MdL), Doris Barnett (MdB, SPD), Roland Strasser (Landesbezirksleiter IG BCE Rheinland-Pfalz/Saarland) sowie Dr. Stefan Simianer (Geschäftsführer Forschung und Entwicklung, AbbVie Deutschland).

„Ein Schatz, den wir heben müssen“

Greiffenberg veranschaulichte anhand einiger Beispiele die Chancen von Big Data und Digitalisierung für das Gesundheitswesen und die Forschung: So gebe es inzwischen weltweit eine Unmenge an Publikationen, die kein Forscher jemals durchlesen könne. „Computer werden uns bald dabei helfen, neues Wissen mittels automatisierter Textanalyse zu extrahieren und so unseren Forschern gezielt relevante Inhalte vorschlagen.“ Auch in der Arzneimittelforschung ließe sich wertvolle Zeit und Ressourcen sparen, indem man auf vorgefilterte Patientendaten zugreift. Zum Beispiel könnte man leichter Gruppen finden, die einem kranken Menschen in den Symptomen oder Eigenarten ähneln, um Therapien zu optimieren. „Das ist ein Schatz, den wir heben müssen, um die Gesundheit der Gesellschaft zu verbessern.“ Bei allen Chancen, so Greiffenberg, sei es wichtig, dass die Daten über eine ausreichende Qualität verfügen und über Standards und Protokolle kontrollierbar bleiben: „Datenspenden und Datenschutz können und müssen im Einklang bleiben.“ Erste Beispiele auf EU-Ebene wie EuroRec (European Institute for Health Records) gäbe es bereits.

In ihrem Impulsvortrag ging Sabine Bätzing-Lichtenthäler auf die Rolle der Politik bei der Digitalisierung ein. Als Beispiele für erste gelungene Projekte nannte sie ‚securPharm‘ als europaweite Initiative für mehr Fälschungssicherheit bei Arzneimitteln sowie das Tele-Stroke-Netzwerk Rheinland-Pfalz als positive Beispiele innovativer Telemedizin. „Ich sehe viele Chancen der Digitalisierung im Gesundheitswesen – aber das Thema Datenschutz darf keinesfalls vernachlässigt werden.“ Hierbei sei ein enger Austausch und eine Zusammenarbeit aller Akteure wichtig. „Wir müssen gemeinsam die Risiken gestalten, um die großen Chancen auch zu nutzen“, sagte die Gesundheitsministerin.

Politik muss Rahmenbedingungen schaffen

Über die Balance zwischen beiden Seiten ging es zunächst auch in der anschließenden Podiumsdiskussion. „Wir können die Daten nutzen, um Erkrankungsmuster eher zu erkennen – und das ohne Zugang zu persönlichen Informationen zu bekommen“, so Stefan Simianer über die Zukunftsvisionen der Wissenschaftler. „Das ermöglicht dem behandelnden Arzt eine bessere Diagnose und eine individuell abgestimmte Therapie.“ Den Forschern wiederum böten sich viele Optionen, um neue Wirkstoffe schneller für die Patienten verfügbar zu machen. Tabea Rößner warb einerseits für starke Investitionen in die Infrastruktur und sieht den Staat zusätzlich auch beim Thema Datenschutz in der Pflicht. „Viele Patienten sind bereit, ihre Daten zur Verfügung zu stellen – wenn sie sicher sein können, dass ihre Daten geschützt sind“, sagte sie. Hier müssten adäquate Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Digitalisierung schafft neuartige Aufgaben

Ein weiterer Aspekt in der Diskussion betraf die Jobs der Zukunft: „Es werden Veränderungen kommen, aber die gab es schon immer. Wir müssen uns nur alle darauf einstellen“, sagte Doris Barnett. Aufgabe der Politik und der Wirtschaft sei es, diesen Prozess zu begleiten und die Digitalisierung als Erweiterung der Möglichkeiten zu begreifen.“ Auch Roland Strasser betonte, dass man die Menschen mitnehmen und sie in Veränderungsprozesse involvieren müsse. „Mitarbeiter wollen ihre Arbeitsplätze der Zukunft mitgestalten.“ Eine wesentliche Aufgabe hierbei sei es, sich um die Weiterbildung der Mitarbeiter zu kümmern. „Daten sind noch lange kein Wissen“, pflichtete Stefan Simianer ihm bei. „Wir brauchen die menschliche Intelligenz, um diese auch auswerten zu können.“ Daher würden neue Jobbilder entstehen, für die man die Menschen fit machen müsse. Hierbei seien nicht nur Unternehmen und Politiker in der Pflicht, sondern jeder Einzelne sollte Veränderungen und Weiterbildung offen gegenüber stehen. Für Andreas Steier ist eine adäquate Ausbildung bereits zu Schulzeiten wünschenswert: „Wir müssen unseren eigenen Nachwuchs auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereiten, um weiter wettbewerbsfähig im internationalen Vergleich zu sein.“

Birgit Fischer bekräftige zum Abschluss, dass die Chancen die Risiken deutlich überwiegen: „Es gibt gerade in der Arzneimittelforschung heute viele Möglichkeiten, die vor Jahren noch undenkbar schienen, wie die Telemedizin oder die personalisierte Medizin.“ Gerade im Gesundheitswesen sei man trotzdem noch weit davon entfernt, die Menschen mit einzubeziehen. Voraussetzung für den Erfolg sei ein gemeinsames Denken und ein transparentes Handeln: „Unsere Aufgabe ist es, das Vertrauen der Patienten in die Fortschritte der Digitalisierung zu gewinnen.“