AbbVie Deutschland folgen

Datengestützte Medizin: Mitten in der Revolution

News   •   Sep 28, 2020 09:53 CEST

Jeder spricht über die Digitalisierung, in der Gesundheitsbranche ist sie bereits in vollem Gang – und verhilft zum Beispiel zu neuen bahnbrechenden Therapien. Allerdings gibt es trotz aller Fortschritte noch viel Luft nach oben. Wie sieht die Medizin der Zukunft aus und welche Hürden gibt es?

Die Meilensteine stehen fest: Ab dem 1. Januar 2021 soll es die Digitale Patientenakte (ePA) in Deutschland geben. Gleichzeitig hat sich das Bundesgesundheitsministerium (BMG) für die deutsche EU-Ratspräsidentschaft, die wir vom 1. Juli 2020 bis Ende des Jahres inne haben, viel vorgenommen: In sechs Monaten sollen die Grundlagen für eine europäische Datenstrategie im Gesundheitswesen gelegt werden; ein EU-Datenraum soll entstehen. Und das wäre immens wichtig für Patient*innen in Europa: Denn Daten schaffen die Medizin der Zukunft in Form von persönlichen und damit präzisen Therapien. Dafür werden allerdings länderübergreifend verlässliche Rahmenbedingungen benötigt sowie konkrete positive Beispiele, um die Menschen auf dem Weg dahin mitzunehmen. Nur so kann sich Europa als Standort der Zukunftsmedizin – auf der Grundlage europäischer Wertevorstellungen – im Wettstreit mit anderen Ländern behaupten.

Die Vision: Ein sicheres europäisches Netzwerk für medizinische Daten

Dafür sammelt die Bundesregierung im Forschungsdatenzentrum Informationen, die dann akademischen Instituten zur Verfügung gestellt werden. Dieses Prinzip soll anschließend auf andere europäische Länder ausgedehnt werden, so dass letztlich ein europäischer Datentopf entstünde. So weit die Theorie. Zur Umsetzung in die Praxis fehlt jedoch noch ein gewaltiger Schritt. Dazu zählen neben den länderübergreifenden Rahmenbedingungen auch die Infrastruktur sowie die Sicherstellung der Datenqualität. Ein weiterer Knackpunkt: Obwohl aktuell acht von zehn klinischen Studien allerdings von forschenden Pharmaunternehmen durchgeführt werden, sind diese bis dato ausgeschlossen.

Maßgeschneiderte Therapien statt Gießkannen-Prinzip

Dabei liegt der Nutzen klar auf der Hand: Momentan werden beispielsweise rund eine halbe Milliarde Diabetiker weltweit im Grunde gleich therapiert – ohne Berücksichtigung von Alter, Gewicht, Lifestyle, Aktivitäten oder Geschlecht. Eine optimale Behandlung von Patient*innen sieht sicher anders aus. Daneben hat die datenbasierte Medizin noch weitere Vorteile. „Durch die richtigen Informationen wird die Forschung an innovativen Therapien besser, schneller und effizienter“, erklärt Dr. Lars Greiffenberg, Leiter für digitale Forschung bei AbbVie Deutschland. Beispielsweise könnten die Studien dank valider Daten und entsprechender Simulationen im Vorfeld einen kleineren Umfang haben und damit schneller zu Ergebnissen kommen. Solche Methoden werden inzwischen von den Zulassungsbehörden akzeptiert. „Für sinnvolle Simulationen und Analysen sind zusätzlich allerdings Informationen von gesunden Menschen zum Vergleich wichtig, wenn wir Erkrankungen umfassend verstehen möchten. Und genau dieses Verständnis ist die Grundlage für eine wirkliche Heilung oder die präventive Medizin.“ Auch bei seltenen Erkrankungen könnte ein großer Datentopf die entscheidenden Informationen für eine wirksame Therapie liefern. 

Gemeinsam zu einer besseren Gesundheitsversorgung der kommenden Generationen

Optimistisch macht, dass ein Umdenken in der Gesundheitsbranche stattgefunden hat: Der Gedanke der Kooperation setzt sich dabei immer weiter durch. Um beispielsweise komplexe Erkrankungen wie Alzheimer zu verstehen, kooperieren Pharmaunternehmen im präklinischen Bereich seit einigen Jahren nicht nur mit kleinen Biotech-Firmen, Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, sondern sogar untereinander. Ein Beispiel hierfür ist die Innovative Medicines Initiative (IMI), die weltweit größte öffentlich-private Partnerschaft im Gesundheitssektor auf der Ebene der Europäischen Union. Auch AbbVie wird vermehrt eigene Informationen für die Forschung zur Verfügung stellen. „So ungewöhnlich das klingen mag: Die Corona-Pandemie ist ein absoluter Katalysator für die Digitalisierung und als Best Practice für eine übergreifende internationale Zusammenarbeit von Unternehmen und öffentlicher Forschung“, so Dr. Greiffenberg. Ein weiterer Punkt, in dem sich alle einig sind, ist die Bedeutung von Transparenz bei der Verwendung von gesammelten Patientendaten sowie eine stärkere Einbindung von Patientenorganisationen, beispielsweise bei der Entscheidung über Anträge auf Datennutzung zu Forschungszwecken beim Forschungsdatenzentrum. Denn nur wenn die Menschen wissen, wofür ihre Daten verwendet werden und welcher medizinische Nutzen damit verbunden ist, kann Vertrauen in der Bevölkerung zur datengestützten Forschung geschaffen werden. Dies betonte auch Dr. Martin Danner, der Bundesgeschäftsführer der BAG-SELBSTHILFE. Und AbbVie unterstützt dieses Anliegen voll und ganz: „Datenschutz bedeutet, dass wir die Menschen vor Datenmissbrauch schützen wollen und nicht die Daten selbst“, sagte Dr. Greiffenberg. „Eines ist klar: Wir treffen aktuell Entscheidungen in der Medizin im Sinne der nächsten Generation.“

Die wörtlichen Zitate entstammen der Veranstaltung „Der Europäische Daten(t)raum – Hemmnisse und Lösungen für eine funktionierende europäische Datenstrategie“ der Initiative Gesundheitsindustrie Hessen vom 10. September 2020.