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Leben mit Neurodermitis: Alltag oder Teufelskreis? – Ein Patient berichtet

News   •   Sep 14, 2020 10:05 CEST

Ob Neurodermitis zum Alltag werden kann? Ein Patient berichtet.

Wer bereits seit Säuglingsalter von Neurodermitis betroffen ist, für den gehören ständiger Juckreiz, schuppige Haut und das Vermeiden von Reizen, die die Symptome verschlimmern können, zum Alltag. Das kennt auch Max, der anlässlich des Internationalen Neurodermitis-Tages (World Atopic Eczema Day) am 14. September über seine Erfahrungen mit der Erkrankung berichtet. Der 31-Jährige kennt kein Leben ohne Neurodermitis. Bereits mit 11 Monaten erhielt er die Diagnose „atopische Dermatitis“, wie die Hautkrankheit in der Fachsprache heißt. Vor allem im Kindesalter war er sehr stark betroffen und hatte mit dem oft quälenden Juckreiz zu kämpfen. Mit der Zeit hat sich seine Neurodermitis dann verändert, und zwar nicht nur in welcher Form, sondern auch wo sie auftritt. Heute ist Max hauptsächlich im Gesicht und am Hals betroffen.

Doch was ist Neurodermitis eigentlich?

Neurodermitis ist vermutlich für jeden ein Begriff. Aber was hat es mit der Krankheit genau auf sich, mit der Max bereits seit 30 Jahren lebt? Allein in Deutschland sind 1,6 Mio. Erwachsene von atopischer Dermatitis betroffen.1 Dabei handelt es sich um eine systemische Erkrankung, also eine Krankheit, die den gesamten Körper betrifft. Die Ursachen sind noch nicht vollends geklärt, da die Entstehung einer Neurodermitis sehr komplex ist. Kurz gesagt: Es handelt sich um eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, bei der der Körper aufgrund einer Neigung zu Überempfindlichkeit (Atopie) auf eine Vielzahl an Reizen überregiert. Dadurch kommt es zu Entzündungen der Haut, die oftmals zu starkem Juckreiz führen.2,3 

Neurodermitis kann unberechenbar sein

„Eigentlich reagiere ich eh auf alles, was es so gibt“, sagt Max, der neben Neurodermitis auch unter verschiedenen Allergien leidet. Das ist keine Seltenheit: Atopische Dermatitis tritt oft mit weiteren Erkrankungen wie allergischen Reaktionen, Asthma oder Heuschnupfen auf. Diese Reaktionen werden durch Umwelteinflüsse, Wasch- oder Lebensmittel hervorgerufen.2-5 Zu Max‘ Lebensalltag gehört es, auf diese Auslöser zu achten und sie – soweit möglich – zu umgehen. Was anstrengend genug klingt, wird zusätzlich noch erschwert: „Mein Körper reagiert immer anders auf die unterschiedlichen Reize und es sind einfach zu viele, als dass ich alle vermeiden könnte“, so Max.

Neben äußeren Einflüssen spielen auch innere Faktoren wie Stress und Emotionen eine zentrale Rolle für Menschen mit Neurodermitis – und zwar egal ob positive oder negative Gefühle. Klar, äußere Faktoren wie bestimmte Lebensmittel oder Hautpflegeprodukte kann man meiden. Stress und Emotionen lassen sich jedoch nur bedingt kontrollieren. „Das ist schon ein Teufelskreis“, berichtet Max, „Wenn ich beispielsweise weiß, ich habe einen wichtigen Geschäftstermin, will ich natürlich nicht, dass die Neurodermitis so präsent ist in meinem Gesicht. Aber dann mache ich mir automatisch Gedanken darüber, und schon wird es schlimmer“.

Diese „innere“ Last der Erkrankung kennen viele Patienten. Aufgrund der trockenen und oftmals wunden Haut empfinden viele Patienten ein Gefühl von Verlegen- und Befangenheit. Dadurch beeinflusst die Erkrankung beispielsweise nicht nur die Kleiderwahl, sondern hat bei vielen Menschen mit Neurodermitis auch Auswirkungen auf das Berufs- und Sozialleben. Hinzukommt der häufig starke Juckreiz, der zu Schlafmangel und somit weniger Leistungsfähigkeit führen kann.6

(K)eine erträgliche Normalität?

Max lässt sich von all dem nicht unterkriegen, ganz im Gegenteil: Was ihn auszeichnet, ist seine gelassene Art, mit der er die Erkrankung meistert. Vieles nimmt er mit Humor, denn die Neurodermitis ist Teil seines Alltags geworden. Doch auch er wünscht sich, dass es endlich Therapien gibt, die nicht nur die Symptome lindern, sondern die Ursache bekämpfen. Und da ist Max nicht allein: Es gibt viele Menschen mit Neurodermitis, die sehr stark betroffen sind und für die die Erkrankung keine „erträgliche Normalität“ ist. Es geht nicht nur um entzündete Haut, denn die ganzheitlichen Auswirkungen der atopischen Dermatitis können auch „unter“ die Haut gehen. Betroffene schämen sich, verstecken sich und meiden gar Freunde und Familie. Das beeinflusst die Lebensqualität. Gerade bei schwereren Fällen von Neurodermitis kann die Krankheit psychische Auswirkungen haben und Depressionen und Angstzustände bedingen.7,8

Der Wunsch nach Linderung unter den Patienten ist also hoch. Doch aktuelle Forschungen im Bereich der Behandlung einer schweren Neurodermitis geben den Betroffenen Grund zur Hoffnung auf weitere Therapieoptionen.

Internationaler Neurodermitis-Tag (World Atopic Eczema Day)

Am 14. September findet der Internationale Neurodermitis-Tag (World Atopic Eczema Day) statt. Ziel des Tages ist es, über die atopische Dermatitis, auch atopisches Ekzem genannt, aufzuklären und zu sensibilisieren, um so mehr Verständnis für die Krankheit selbst aber vor allem für die Betroffenen zu schaffen. Der Tag rückt die Erkrankung in den Fokus und zeigt die Notwendigkeit für eine stärkere Unterstützung der Patienten und mehr Behandlungsoptionen der Neurodermitis auf.

Quellen:

1 Barbarot S et al. Allergy. 2018; 73:1284–1293.

2 Aktualisierung „Systemtherapie bei Neurodermitis“ zur Leitlinie Neurodermitis [atopisches Ekzem; atopische Dermatitis]. https://www.awmf.org/fileadmin/user_upload/Leitlinien/013_D_Dermatologische_Ges/013-027l_S2k_Neurodermitis_Aktualisierung-Systemtherapie_2020-06.pdf (zuletzt abgerufen am 06.08.2020).

3 Weidinger S et al., Nat Rev Dis Primers. 2018;4(1).

4 Neurodermitisportal. https://www.neurodermitisportal.de/ursprung-des-namens-fuer-neurodermitis-und-weitere-bezeichnungen/ (zuletzt abgerufen am 30.07.2020).

5 Brückmann H et al., Deutsche Apotheker Zeitung. 2018; 31:42-45.

6 Simpson EL et al., J Am Acad Dermat 2016;74:491-8.

7 Ring J et al., JEADV. 2019; 33:1331–1340.

8 Schonmann Y et al.,J Allergy Clin Immunol Pract. 2020; 8(1):248–257.