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„Nichts wird mehr wie früher sein!“: Startschuss für Parkinsonnetz RheinNeckar+

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„Nichts wird mehr wie früher sein!“: Startschuss für Parkinsonnetz RheinNeckar+

Seit 2016 initiiert und fördert AbbVie in Deutschland den Aufbau von Parkinson-Netzwerken – zuletzt im Münsterland, in Bremen sowie in der Rhein-Main-Region. Mit dem Parkinsonnetz RheinNeckar+ wird die Erfolgsgeschichte nun fortgeschrieben.

  • Kickoff-Event am 4. Mai 2022 in Heidelberg
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit soll Versorgung verbessern
  • Beispiel Parkinsonnetz Münsterland+ belegt positive Effekte
  • Next Steps: Website, Versorgeratlas, Quickcards (siehe Infokasten)

Nach monatelangen Vorbereitungen fiel am 4. Mai im Foyer der Heidelberger Hochschule der langersehnte Startschuss für das Parkinsonnetz RheinNeckar+ (PNRN+). Der Einladung des Gründungsteams folgten knapp 140 Gäste – darunter zahlreiche Therapeut*innen und Ärzt*innen verschiedener Fachrichtungen. Es herrschte Aufbruchstimmung und Einigkeit darüber, dass die Versorgungsqualität der aktuell rund 1.000 unterversorgten Parkinsonpatient*innen der Region verbessert werden muss. „Nichts wird mehr wie früher sein!“, versprach Dr. Andreas Becker, der als Chef der Abteilung für Neurologie im SRH Kurpfalzkrankenhaus den Aufbau des PNRN+ federführend leitet.

Wie wissenschaftliche Studien und die Praxiserfahrungen unter anderem in Bremen, im Münsterland oder der Rhein-Main-Region belegen, sind Parkinsonnetze ein geeignetes Instrument, um der oftmals fragmentierten Versorgung zu begegnen. Sie dienen nicht nur dem Wissens- und Erfahrungsaustausch, der Weiterbildung und Schulung; sie erhöhen zudem die interdisziplinäre Zusammenarbeit und schaffen eine standardisierte Kommunikation bei der Behandlung. [1] All dies kommt den Patient*innen zugute, die an Lebensqualität und -dauer gewinnen. [2]

Jährlich 3.500 Neuerkrankungen in der Region

Eröffnet wurde das vierstündige Kickoff-Event von SRH-Geschäftsführerin Dr. Stefanie Höger und Werner Stalla, Geschäftsführer SRH Gesundheit. Beide dankten dem Team um Dr. Becker und AbbVie für die erfolgreiche Initiierung, und unterstrichen die Wichtigkeit des Zusammenwirkens verschiedenster Berufsgruppen bei der Parkinson-Therapie. Das PNRN+ leiste hierzu einen entscheidenden Beitrag. Auch für Theresia Bauer ist das Erfolgsrezept einer adäquaten Versorgung „die außerordentliche Qualität des Angebots und die Kraft der Kooperation.“ Die baden-württembergische Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst sendete als Schirmherrin des Netzwerks eine Videobotschaft. Damit erhält das PNRN+ Unterstützung von höchster politischer Ebene.

Dr. Andreas Becker, ärztlicher Direktor und Chefarzt der Neurologie des SRH Kurpfalzkrankenhauses und Projektleiter des Parkinsonnetzes RheinNeckar+, stellt den Gründungspartner AbbVie vor

Mit viel Enthusiasmus hieß auch Dr. Becker die Gäste willkommen und gab ihnen einen Statusbericht zur aktuellen Parkinson-Situation in Deutschland und der Region. Parkinson ist nach Alzheimer die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung: Weltweit gibt es 6,3 Millionen Patient*innen, in Deutschland 400.000. Allein in der Rhein-Neckar-Region erkranken jedes Jahr 3.500 Menschen. „Wir müssen uns also konkrete Ziele setzen – und dafür brauchen wir intrinsisch motivierte Menschen, die in einem Netzwerk zusammenarbeiten.“ Eine „Herzensangelegenheit“ ist für Dr. Becker dabei, dass die Patient*innen in den Mittelpunkt der Therapie rücken. Hierbei helfe eine Beurteilung mittels ICF (siehe Infokasten).

Parkinsonnetz Münsterland+ als Blaupause

Ein Paradebeispiel für ein funktionierendes Netzwerk – und eine mögliche Blaupause für das PNRN+ – stellte Prof. Dr. Tobias Warnecke vor: das seit 2017 aktive Parkinsonnetz Münsterland+. Als Initiator des Netzwerks gab der Chefarzt der Klinik für Neurologie und neurologische Frührehabilitation am Klinikum Osnabrück, einen Erfahrungsbericht aus erster Hand. Er bestätigte die positiven Auswirkungen auf die Kommunikation der Behandler*innen und die damit einhergehende verbesserte Versorgung der Patient*innen; zudem machte er darauf aufmerksam, dass Netzwerke Geld sparen, denn durch spezifischeren Einsatz von Therapien werden diese effizienter und günstiger. [3] Den Erfolg des Münsterländer Parkinsonnetzes bestätigte Gesundheitsökonomin Dr. Linda Kerkemeyer mit den Zahlen einer wissenschaftlichen Evaluation unter anderem des inav (Privates Institut für angewandte Versorgungsforschung): In den vergangenen Jahren wurde ein dichtes Netzwerk mit 79 Partnern und knapp 850 Verbindungen installiert.

„Wir haben viel vor!“: Website, Versorgeratlas, Quickcards

Für den erfolgreichen Aufbau eines Parkinsonnetzes sind zwei Fragen essentiell: Welche Hürden müssen überwunden werden? Und wie kann die Kommunikation innerhalb des Netzwerkes gelingen? In zwei Gruppen diskutierten die Kickoff-Teilnehmer*innen im zweiten Teil des Events mögliche Lösungsansätze – unter anderem unter Leitung von Dr. Andreas Becker und Nico Schmidt, Manager Government Affairs, Public Health & Policy bei AbbVie.

Eine von den Teilnehmer*innen gewünschte gemeinsame Plattform zum Wissensaustauch ist in Form der Website https://www.pnrnp.de bereits umgesetzt. Zudem ist ein Versorgeratlas geplant, in dem alle teilnehmenden Behandler*innen samt Steckbrief aufgeführt und für die Kolleg*innen und mögliche Weiterbehandlungen zukünftig besser zu finden sind. Die Kommunikation über Patient*innen, deren Erkrankung und Therapie soll einerseits mit Hilfe des ICF-Codes verbessert werden; andererseits durch die Einführung sogenannter „Quickcards“ (siehe Infokasten)

„Ich bin beeindruckt“, so Dr. Becker zum Ende der Veranstaltung. „Beeindruckt davon, dass Sie alle gekommen sind und sich für unser Netzwerk engagieren. Wir haben viel vor und freuen uns, dass es jetzt richtig losgeht!“

ICF

Die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) soll eine weltweit einheitliche Kommunikation über die Auswirkungen von Gesundheitsproblemen ermöglichen. Im Unterschied zum bio-medizinischen Modell (ICD) fließt in das bio-psycho-soziale Modell ICF der gesamte Lebenshintergrund der Patient*innen mit ein. Zusätzlich zu den funktionalen Beeinträchtigungen werden auch Umweltfaktoren sowie personenbezogene Aspekte betrachtet. Für die gesellschaftliche Teilhabe macht es beispielsweise einen Unterschied, ob Menschen mit einer funktionalen Beeinträchtigung einen barrierefreien Zugang zu Informationen und Gebäuden erhalten oder ob sie auf technische und bauliche Hürden treffen.

Siehe unter anderem: https://umsetzungsbegleitung-bthg.de/bthg-kompass/bk-bedarfsermittlung-icf/icf/fd1-1003/

Quickcard

Quickcards zeigen leitliniengerechte, evidenzbasierte Handlungsempfehlungen in Bezug auf Diagnostik und Therapie und bestehen aus einer „Kitteltaschen-Karte“ und einem korrespondierenden Abreißblock, auf welchem die Expert*innen ankreuzen, was aus ihrer Sicht das dominierende Symptom ist und welche Therapie sie empfehlen. Diese Handlungsempfehlung wird über die Parkinson-Patient*innen den beteiligten Behandler*innen zur Verfügung gestellt, welche durch diese einfache Art der Protokollierung die Einschätzungen nachvollziehen und ihre Empfehlungen ebenfalls auf der Quickcard festhalten können. Durch den Umlauf findet eine standardisierte Kommunikation unter sämtlichen Versorger*innen darüber statt, wie und warum eine Therapie erfolgte. Im Rahmen eines Innovationsfondsprojektes wurden einige Quickcards in ein digitales Tool übertragen und von projektbeteiligten Behandler*innen im Versorgungsalltag genutzt. Es besteht die berechtigte Hoffnung, dass die Quickcards zukünftig in die Regelversorgung aufgenommen werden.

Literatur:

[1] van Munster M, Tönges L, Loewenbrück KF, Warnecke T, Eggers C. Building a Parkinson-Network-Experiences from Germany. J Clin Med. 2020 Aug 25;9(9):2743. doi: 10.3390/jcm9092743. PMID: 32854328; PMCID: PMC7563415.

[2] Rajan R, Brennan L, Bloem BR, Dahodwala N, Gardner J, Goldman JG, Grimes DA, Iansek R, Kovács N, McGinley J, Parashos SA, Piemonte MEP, Eggers C. Integrated Care in Parkinson's Disease: A Systematic Review and Meta-Analysis. Mov Disord. 2020 Sep;35(9):1509-1531. doi: 10.1002/mds.28097. Epub 2020 Jun 29. PMID: 32598094.

[3]Ypinga JHL, de Vries NM, Boonen LHHM, Koolman X, Munneke M, Zwinderman AH, Bloem BR. Effectiveness and costs of specialised physiotherapy given via ParkinsonNet: a retrospective analysis of medical claims data. Lancet Neurol. 2018 Feb;17(2):153-161. doi: 10.1016/S1474-4422(17)30406-4. Epub 2017 Dec 12. PMID: 29246470.

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Christine Blindzellner

Christine Blindzellner

Communication Manager Neurologie

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