AbbVie Deutschland folgen

Sucht PLUS Hepatitis C: Gemeinsam anpacken für die Elimination bis 2030

News   •   Okt 31, 2019 13:37 CET

PLUS-Forum in Bochum: Gemeinsam für eine bessere Versorgung

Eigentlich ist die Lage klar: Nach 30 Jahren intensiver Bemühungen im Kampf gegen das Hepatitis-C-Virus (HCV) kann die Erkrankung heute geheilt werden*.1 Eine Hürde in der Versorgungsrealität ist jedoch die hohe Dunkelziffer an infizierten, nicht-diagnostizierten Patienten, insbesondere in den entsprechenden Risikogruppen. Hierzu zählen unter anderem Personen mit intravenösem Drogengebrauch sowie Insassen in Justizvollzugsanstalten. „Bei diesen Menschen müssen wir schwerpunktmäßig ansetzen und ihre Versorgungssituation deutlich verbessern“, betont Prof. Christoph Sarrazin, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberhilfe e.V. und Chefarzt am Wiesbadener St. Josefs Hospital.

PLUS-Gesundheitsinitiativen sorgen gemeinsam für bessere Versorgung

Um gemeinsam Lösungen für diese Herausforderung zu entwickeln, müssten Betroffene, Ärzte und Experten verschiedenster Bereiche noch enger zusammenarbeiten. Dafür setzen sich die regionalen PLUS-Gesundheitsinitiativen ein.

Das BioPharma-Unternehmen AbbVie hat alle Partner-Institutionen der regionalen PLUS-Gesundheitsinitiativen (www.HCVVersorgungPLUS.de) zum 2. Bundesweiten PLUS-Forum am 18. und 19. September nach Bochum eingeladen. Der Titel der Veranstaltung war Programm: ‚Sucht und Hepatitis C: Gemeinsam für eine bessere Versorgung‘. „Unser Ziel ist, dass wir im offenen Austausch voneinander lernen, zusammen Lösungen entwickeln und uns untereinander stärker vernetzen“, erklärte Philipp Huwe, verantwortlich für Politik und Versorgung bei AbbVie Deutschland. Neben Workshops und Vorträgen, in denen erfolgreiche Beispiele aus den regionalen PLUS-Initiativen diskutiert wurden, gab es im Programm erstmals die ‚Interaktive PLUS-Arena: Sucht und Hepatitis C‘. Die Idee: Durch ganz persönliche Einblicke und Abstimmungsmöglichkeiten zu relevanten Fragen brachten sich die Teilnehmer intensiv ein und gestalteten das Format mit. Mit in der Runde war neben Prof. Sarrazin unter anderem auch Dirk Schäffer von der Deutschen Aidshilfe e.V. und Patientenvertreter beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA).

Screening als Schlüssel zur Diagnose von Hepatitis C

Ein wichtiges Thema der Gespräche war ein systematisches HCV-Screening. „Ein großer Anteil der Patienten, die bisher nicht diagnostiziert sind, versteckt sich in unterschiedlichen Risikogruppen – und nicht nur bei aktuellen oder ehemaligen Drogengebrauchern“, so Prof. Sarrazin. „Wir wollen daher Risikofaktoren festlegen und die entsprechenden Gruppen anschließend gezielt testen.“ Die Teilnehmer vor Ort sprachen sich ebenfalls einstimmig für das Einführen eines strategischen Screenings aus: 70 Prozent votierten sogar für ein flächendeckendes Screening der deutschen Gesamtbevölkerung.

Ein weiteres spannendes Ergebnis lieferte die Frage nach den Gründen für die Ablehnung einer HCV-Therapie. Hier zeigte sich, dass zum einen nach wie vor zu wenig über die Erkrankung und ihre Folgen bekannt ist. Viele Patienten gehen laut der Experten vor Ort sogar noch von veralteten Therapien mit Interferon aus und befürchten ungünstige Verläufe oder schwere Nebenwirkungen. Außerdem spielen aus ihrer Erfahrung andere Herausforderungen im Leben der Klienten eine größere Rolle als ihre Gesundheit. Die Experten sahen hier den Hauptgrund bei der Ablehnung von Therapieangeboten; Angst vor Stigmatisierung kann ein weiterer Grund sein.

Elimination als gemeinsame Anstrengung

Vor dem Hintergrund der neuen Therapieoptionen, mit denen nahezu alle Patienten mit Hepatitis C geheilt* werden können, haben sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Bundesregierung zum Ziel gesetzt, Hepatitis C bis zum Jahr 2030 endgültig zu eliminieren. 2,3 Aktuell hinkt Deutschland bei dieser Anstrengung hinterher und wurde von Ländern wie Spanien, Frankreich, Italien und dem Vereinigten Königreich überrundet. „2030 ist ein ambitioniertes Ziel, aber wenn wir alle an einem Strang ziehen, ist das noch zu schaffen“, sagte Prof. Sarrazin. Risikogruppen müssten dabei ein Teil der Lösung sein. Dirk Schäffer ergänzte konkret: „Wenn wir beispielsweise Inhaftierte außen vor lassen in unseren Präventionsbemühungen, werden wir dieses Ziel nicht erreichen – so einfach ist das.“ Alle Teilnehmer waren sich einig, dass hierfür eine weitere enge Zusammenarbeit zwischen den relevanten Stellen notwendig sei.

Über die PLUS-Gesundheitsinitiative Hepatitis C

PLUS ist ein neuartiger Ansatz, um Drogenkonsumenten, Substituierte und Abstinenzwillige zu erreichen und deren regionale Gesundheitsversorgung durch eine umfassende Betrachtung der Lebensumstände nachhaltig und strukturell zu verbessern. Der Fokus liegt dabei auf dem Thema Hepatitis C. Das PLUS-Konzept sieht gleichzeitig die Entwicklung von Hilfsangeboten zum Abbau anderer, auch gesundheitsunabhängiger Probleme vor. Hierdurch wird Betroffenen überhaupt die Möglichkeit gegeben, dem Thema Gesundheit wieder einen größeren Stellenwert einzuräumen. Innovativ ist die PLUS-Initiative durch die Einbeziehung der Suchtbetroffenen selbst in die Ausgestaltung der regionalen PLUS-Projekte. Durch diesen partizipativen Peer-Ansatz (Peer-PLUS-Peer-Konzept) wird zum einen die Motivation der Betroffenen an der Teilnahme des Programms gestärkt, indem sie zu Beteiligten werden. Zum anderen wird somit sichergestellt, dass die Maßnahmen an den echten Bedürfnissen von Drogenkonsumierenden, Substitutionspatienten und Abstinenzwilligen ausgerichtet und damit zielführend in ihrer Unterstützung sind. Die Partner der Initiative streben eine Verstetigung des PLUS-Konzepts und den damit einhergehenden Angeboten an. Sie sind überzeugt, nur durch ein langfristig ausgelegtes Versorgungsangebot können Versorgungsqualität und Lebensqualität nachhaltig verbessert werden.

Literatur

* Als von einer chronischen Hepatitis C geheilt gelten Patienten, die 12 Wochen nach Behandlungsende ein anhaltendes virologisches Ansprechen (sustained virologic response, SVR12) aufweisen.

1 Sarrazin C, et al. Z Gastroenterol. 2018;56:756-838.

2 Bundesministerium für Gesundheit. Publikation: BIS 2030 – Strategie zur Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C und anderen sexuell übertragbaren Infektionen, April 2016. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/publikationen/gesundheit/details/?bmg[pubid]=2851, letzter Zugriff: September 2019.

3 World Health Organization. Global Hepatitis Report, 2017.