AbbVie Deutschland folgen

Warum es wichtig ist, in medizinische Forschung zu investieren

News   •   Feb 18, 2020 10:04 CET

In den vergangenen Jahren hat die medizinische Forschung einige bahnbrechende Errungenschaften hervorgebracht: AIDS zum Beispiel war in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts eine todbringende Erkrankung. Heute kann das auslösende HI-Virus mit effektiven Medikamenten so in Schach gehalten werden, dass die Krankheit weder ausbricht noch das Virus ansteckend ist. Ein weiteres Beispiel ist Hepatitis C: was bei HIV noch Zukunftsmusik ist, ist hier schon Realität: die ehemals schwere, chronische Lebererkrankung kann heute mit hoch effektiven Therapien vollständig geheilt werden, und das bei nahezu allen Betroffenen. Solche Erfolgsmeldungen sind generell nur möglich, weil forschende Pharmaunternehmen wie AbbVie am Ball bleiben und dabei auch Rückschläge in Kauf nehmen.

Wir haben unseren Geschäftsführer Forschung & Entwicklung Dr. Stefan Simianer gefragt, warum es wichtig ist, in medizinische Forschung zu investieren und was moderne Forschung im Gepäck haben muss.

Dr. Stefan Simianer, Geschäftsführer Forschung & Entwicklung, bei der Handelsblatt-Tagung Pharma 2020

Dr. Stefan Simianer bei der Handelsblatt-Tagung Pharma 2020

Stefan: Innovationen sind zwar aufwändig und erfordern einen hohen Einsatz von Ressourcen. Für die Patienten bedeuten sie jedoch oft einen Gewinn an Lebenszeit und in der Regel auch einen enormen Zuwachs an Lebensqualität. Sie sind wieder in der Lage, ihren Alltag zu meistern und ein normales Leben zu führen. Deshalb ist der Erhalt oder sogar die Verbesserung der Lebensqualität in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Ziel der medizinischen Forschung geworden. Bei der Auswahl der Forschungsschwerpunkte und Projekte fokussieren wir uns auf solche, die für die Patienten einen messbaren Unterschied machen. Das muss unser Anspruch sein und der wirtschaftliche Erfolg ist meiner Ansicht nach damit auch eng verbunden.

Kannst du ein konkretes Beispiel aus deinen persönlichen Erfahrungen nennen?

Stefan: Ich bin von Beruf Rheumatologe und habe Ende der 90er Jahre noch Patienten gesehen, die mit einer chronisch-entzündlichen rheumatoider Arthritis aufgrund fortschreitender Gelenkzerstörung und
-versteifung stark eingeschränkt waren. Dann kam zur Behandlung die neue Medikamentenklasse der sogenannten TNF-Hemmer ins Spiel. Diese hemmen den Botenstoff TNF, der bei Rheuma und bestimmten anderen Autoimmunerkrankungen den Entzündungsprozess am Laufen hält. AbbVie und weitere Unternehmen haben Wirkstoffe dieser Medikamentenklasse verfügbar gemacht und damit einen Paradigmenwechsel in der Behandlung von Rheumapatienten eingeleitet: Menschen, die an den Rollstuhl gebunden gewesen waren, konnten sich wieder relativ normal bewegen und ein eigenständiges Leben führen. 


Bei der Auswahl der Forschungsschwerpunkte und Projekte fokussieren wir uns auf solche, die für die Patienten einen messbaren Unterschied machen. Das muss unser Anspruch sein und der wirtschaftliche Erfolg ist meiner Ansicht nach damit auch eng verbunden.

Dr. Stefan Simianer, Vice President & Geschäftsführer F&E bei AbbVie Deutschland


Das klingt nach einer echten Erfolgsstory, oder?

Stefan: Ja und nein, denn auch heute gilt dies nicht für alle Patienten. Bei etwa 30 % der Menschen mit aktiver Erkrankung muss der Rheumatologe das erste Biologikum wechseln, weil die Krankheitsaktivität nicht befriedigend unter Kontrolle zu bekommen ist. Und für manch andere chronische Erkrankungen gibt es bisher noch gar keine Medikamente, mit denen Ärzte die Krankheitsaktivität ihrer Patienten verlangsamen, stoppen oder umkehren können. Deshalb muss weiter geforscht werden, die Chance auf derartige Erfolgsstorys ist nur gegeben, wenn forschende Pharmaunternehmen – teilweise über Jahrzehnte hinweg – am Ball bleiben. Und das tun wir bei AbbVie: Wir haben über 50 Forschungsprogramme in der klinischen Entwicklung. Dabei nehmen wir auch Rückschläge in Kauf, denn daraus lernen wir, und wir können aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse nutzen. Ein Beispiel: Vor wenigen Jahren ist man noch davon ausgegangen, dass TNF an der Wurzel der Entzündungskaskade den Krankheitsprozess sozusagen auslöst und man diesen nur unterbrechen muss, um Rheuma in den Griff zu bekommen. Heute weiß man, dass auch andere körpereigene Proteine wie Interleukine und Januskinasen eine wesentliche Rolle spielen. Diese Erkenntnisse haben uns zu neuen Forschungsansätzen und neuartigen Medikamenten geführt, die Patienten nach wie vor dringend benötigen.

Wie sieht bei AbbVie moderne Forschung aus und wie schafft ihr es, aktuelle Erkenntnisse frühzeitig zu integrieren und Forschungsziele darauf auszurichten?

Stefan: Moderne Forschung ist heute verstärkt darauf ausgerichtet, Therapien zu entwickeln, die effektiver in Krankheitsprozesse im menschlichen Körper eingreifen und darauf, diese schneller zum Patienten zu bringen. Aktuelle Erkenntnisse frühzeitig zu integrieren, ist dabei tatsächlich eine Herausforderung, denn jeden Tag werden in der pharmazeutischen Forschung 8.000 wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht. Bei dieser Datenmenge ist der Blick über den Tellerrand verschiedener Forschungsfelder so nicht mehr möglich. Deshalb haben wir mit „PubLab“ein selbst lernendes System eingerichtet, das den Zugriff auf sämtliche Literatur erlaubt, die digital verfügbar ist: Die Forschungsteams haben so eine valide Literaturbasis für ihre Arbeit und können leichter interagieren.

Was muss moderne Forschung heute im Gepäck haben, damit sie zielgerichtet arbeiten kann?

Stefan: Wir verwenden grundsätzlich immer stärker Instrumente und Methoden, mit denen sich bestimmte Gegebenheiten im Voraus berechnen lassen oder um neue Erkenntnisse auf einer breiten Datenbasis zu gewinnen. Unsere Wissenschaftler nutzen dabei selbst lernende Hochleistungssysteme oder wenn es sie in der Form nicht gibt, entwickeln sie sie selbst. Nehmen wir das Forschungsfeld Parkinson als Beispiel: Schätzungen zufolge sind weltweit über 6 Millionen Menschen von Parkinson betroffen, bis 2030 soll sich die Zahl verdoppeln. Der Druck, die Forschung zu beschleunigen, ist also sehr hoch. Hier versuchen wir mit bioinformatischen Methoden, aus genetischen Daten von gesunden Menschen und Patienten mit Parkinson mögliche neue Ansätze für Therapieoptionen zu identifizieren. Oder Hepatitis C: hier haben wir anhand von mathematischen Modellrechnungen vorher berechnet, welche möglichen Dosierungen des Prüfpräparats für die klinischen Studien mit dem Medikament in Frage kommen und konnten damit die klinischen Studien gezielter aufsetzen.

AbbVie ist also gut aufgestellt. Kann die akademische Forschung da mithalten?

Stefan: Wir sind tatsächlich gut aufgestellt und investieren auch weiter in die Forschung – in den kommenden Jahren mehr als 100 Millionen Euro in unseren Standort Ludwigshafen. Er ist als zweitgrößter Forschungsstandort bei AbbVie und globales Kompetenzzentrum für die neurologische Forschung ein wichtiger Erfolgsfaktor für das Unternehmen. Dennoch ist aus meiner Sicht eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung innovativer Wirkstoffe auch, dass die akademische und industrielle Forschung an einem Strang ziehen. Die europäische „Innovative Medicines Initiative“ (IMI) ist hierfür ein gutes Beispiel: Die Initiative der EU und der europäischen Pharmaunternehmen ist die größte öffentlich-private Partnerschaft im Gesundheitssektor weltweit. AbbVie ist auf unterschiedlichen Ebenen bei 18 IMI-Projekten vertreten. Im Fokus ist unter anderem die Entwicklung von innovativen Lösungen für Erkrankungen, für die es noch keine oder keine ausreichende medizinische Behandlung gibt, wie das bei Alzheimer der Fall ist. Derartige Konzepte kann die Politik unterstützen, indem sie Partnering- oder Spin-off-Konzepte verstärkt fördert und Pharmaunternehmen die Nutzung von anonymisierten Patientendaten für die Forschung gesetzlich ermöglicht. Solche Maßnahmen sind auch dem Wirtschaftswachstum zuträglich, denn forschende Unternehmen tragen mit ihrer Bruttowertschöpfung maßgeblich zur Stärkung der Wirtschaft bei.