AbbVie Deutschland folgen

Wie Forschung während einer globalen Pandemie funktionieren kann

News   •   Jun 08, 2020 11:13 CEST

1,2 Milliarden US-Dollar hat AbbVie im ersten Quartal 2020 in die eigene Forschung und Entwicklung investiert – mit dem klaren Ziel, weltweit Menschen mit schweren Erkrankungen innovative Therapien zur Verfügung zu stellen. Um dieses Ziel zu erreichen, geht die Arbeit in den Laboren auch während der Pandemie weiter. Als größter Entwicklungsstandort außerhalb der USA spielt Ludwigshafen hierbei eine wichtige Rolle. Eine herausfordernde Zeit für alle Wissenschaftler, unter anderem für Lydia Reinhardt, die sich mit dem Protein-Umsatz (Turnover) von Zellen beschäftigt, und ihre Kollegin Nathalie Guillen. Sie arbeitet an der Umprogrammierung von Stammzellen im Rahmen der Entwicklung neuer Medikamente für schwere neurologische Erkrankungen wie beispielsweise Alzheimer. Einen persönlichen Einblick, wie Forschung während einer globalen Pandemie funktioniert, was sie antreibt und welche Chancen in der Krise stecken, geben Nathalie Guillen und Lydia Reinhardt im Interview.

Nathalie, Lydia, wie sieht ein Tag im Home-Office aktuell für euch als Forscherinnen aus?

Lydia: Da wir unter normalen Bedingungen häufig im Labor sind, war das schon eine Umstellung. Ich habe mir in unserem Gästezimmer ein kleines Büro eingerichtet und starte früh mit einem Kaffee in den Tag. Zunächst lese ich die Mails der Kollegen aus den USA und logge mich in unseren internen Messaging-Dienst ein. Schließlich ist der Kontakt untereinander gerade in der Pandemie unglaublich wichtig. Ansonsten besteht der Tag aus vielen Videokonferenzen und der Vorbereitung von Experimenten und Laborseminaren. In meiner Mittagspause mache ich oft einen kleinen Spaziergang, um in Bewegung zu bleiben.

Nathalie: Mein Ablauf ist ganz ähnlich. Ich checke meine E-Mails und mache mir Gedanken zu unseren laufenden Forschungsprojekten. Mit Lydia stimme ich mich beispielsweise zu gemeinsamen Themen auch direkt ab. Dabei wechsle ich häufiger den Platz in der Wohnung. Einmal in der Woche gehe ich joggen, ansonsten mache ich zuhause Sport. Kontakt mit anderen Menschen habe ich insbesondere in der ersten Phase stark vermieden. Das ist mir schon schwergefallen; ich bin ein sehr sozialer Mensch.

Und wie liefen eure Forschungsprojekte weiter?

Nathalie: Wir arbeiten mit Stammzellen, die kontinuierlich versorgt werden müssen. Gemeinsam mit einer extra eingerichteten Task Force bei AbbVie haben wir deshalb ein Schichtsystem entwickelt. So konnten wir sicherstellen, dass alle relevanten Mitarbeiter zu bestimmten Zeiten ins Labor kommen und ihre Projekte weiter betreuen können. Gleichzeitig bestand aus Sicherheitsgründen nur minimaler Kontakt untereinander.

Lydia: Unsere Zellkulturen sind im Grunde wie kleine Haustiere, die ständige Betreuung benötigen. Daher war es für uns essenziell, dass wir unsere Arbeit fortsetzen können. Mit den getroffenen Sicherheitsvorkehrungen wie dem Schichtsystem, der Schutzausrüstung, aber insbesondere dank der guten und immer aktuellen Kommunikation habe ich mich dabei jederzeit sicher gefühlt.

Wie unterscheidet sich die Arbeit in der Forschung im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie?

Nathalie: Da wir unsere Ressourcen aufgrund der Sicherheitsvorkehrungen wie beispielsweise den Schichtplänen präziser planen müssen, arbeiten wir noch enger zusammen und sind noch stärker fokussiert, das ist mein Gefühl. Wir planen jedes Experiment als Teamaufgabe sehr genau, werten es wie bisher aus und führen Kontrollexperimente durch. Anders als vorher erfolgt dann die Besprechung aber in gemeinsamen Videokonferenzen.

Lydia: Das ist auch mein Eindruck. Wir diskutieren aktuell das Design und die Ergebnisse unserer Experimente vielleicht noch etwas ausführlicher, um die Anwesenheit vor Ort im Labor soweit wie möglich zu reduzieren. Damit haben wir bereits in dieser Phase extrem robuste Daten. Entscheidend dabei ist der Teamgeist: Wir sind alle voll dabei und ziehen an einem Strang.

Was treibt euch an, unter den besonderen Umständen der Pandemie weiter zu forschen?

Nathalie: Mein Job ist meine Leidenschaft, weil ich überzeugt bin, dass wir mit unserer Arbeit einen echten Unterschied machen können für die Patienten. Das gilt auch während der Pandemie.

Lydia: Akademische Forschung ist eher abstrakt. Wir dagegen forschen hier für ganz konkrete Menschen. Dabei arbeiten wir an schweren neurologischen Erkrankungen wie Morbus Parkinson und Morbus Alzheimer. Dafür eine Therapie zu finden, die wirklich heilt, motiviert mich ungemein.

Gibt es Aspekte in eurer aktuellen Arbeitsweise, die ihr nach der Pandemie beibehalten wollt?

Lydia: Ich würde mir wünschen, dass wir die positiven Aspekte unserer Zusammenarbeit genauso weiterführen: Sich noch mehr Zeit nehmen für die gemeinsame Diskussion der Daten und Literatur zum Beispiel.

Nathalie: Dass wir als Team weiter so gut priorisieren, wie wir das jetzt in dieser Phase machen.

Habt ihr euch etwas Besonderes für die Zeit vorgenommen, wenn weitere Beschränkungen aufgehoben werden?

Nathalie: Zum einen freue ich mich darauf, meine Kollegen wieder regelmäßig zur treffen. Wir haben einfach eine tolle Kultur, jeder hilft sich und ist dann einfach auch schneller greifbar. Privat möchte ich einen Surf-Urlaub machen mit viel Sonne, Palmen und Meer.

Lydia: Ich möchte unbedingt meinen Bruder in San Diego besuchen. Ansonsten freue ich mich einfach auf die Kollegen, einen Kaffee mit Freunden oder der Familie am Rhein – die kleinen Dinge, die wir vorher als selbstverständlich empfunden haben.